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„Wenn das ewig so weiter geht, werde ich daran verzweifeln!“

das würde wohl jeder denken, der nicht wüsste das nach jedem Herbst und Winter ein Frühling wieder kommt. Stellen wir uns mal vor, das ginge immer so weiter: Die Tage werden immer kürzer – irgendwann ist es nur noch dunkel. Die Blätter fallen ab bis nichts mehr grün ist. Alles trist und grau. Die Temperatur wird immer kühler bis alles erfroren ist. Wir alle wissen – Gott sei dank – dass das absurd ist! So lange Gott diese Welt erhält, wird das Licht auch wieder länger werden. Unser Land wird wieder grün und wärmer. Auch wenn gerade nichts auf den Frühling hindeutet, wissen wir doch: Er wird wiederkommen! Wir haben´s schon so oft erlebt!

Vielleicht kennen Sie so einen Satz aber auch aus den eigenen Gedanken. Oder ein lieber Mensch hat Ihnen gegenüber so etwas Ähnliches schon einmal gesagt: „Wenn das ewig so weiter geht, …“ Da ist eine Grenze in Sicht, die nicht überschritten werden darf!

Auch Menschen, die mit dem lebendigen Gott durch das Leben gehen, bleiben vor solchen Erfahrungen nicht bewahrt. In der Bibel gibt es viele ehrliche Geschichten von Menschen aus Fleisch und Blut, die bis in die tiefsten Tiefen des Lebens hinabstürzen. Sie hadern mit dem Leben und mit Gott, sie klammern sich an ihn oder fliehen vor ihm. Sie sind voller Trotz oder geben auf. Hiob ist einer von ihnen. Alles hat er verloren: seine liebe Familie, seinen Wohlstand und sogar das Dach über dem Kopf. Nun wollen seine Freunde ihm auch noch einreden, er sei an allem schuld. Das ist schon viel zu weit gegangen. Daran muss er doch verzweifeln. Aber mitten in dem Streit mit seinen Freunden und seinem Trotz schimmert eine alte tiefe Gewissheit durch:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hiob 19,25)

So sicher wie wir wissen, dass jedes Jahr ein Frühling wiederkommt, weiß uns die Geschichte Gottes mit uns Menschen zu berichten: Kein Unheil wird immer so weitergehen oder gar das letzte Wort haben, keine Krankheit, keine Last, nichts Böses, kein Unfrieden, keine Ungerechtigkeit bleiben ewig! Ihnen allen wird das ABER des Glaubens entgegengesetzt: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Das Altarbild in Schöneck bildet eben dieses geistliche Geheimnis ganz signifikant ab: Im Vordergrund sehen wir Jesus Christus, wie er den elenden Tod am Kreuz stirbt. Doch im Hintergrund triumphiert schließlich viel herrlicher und größer unser auferstandener Herr und Heiland.

An den Frühling zu glauben, scheint uns einfach – wir haben es halt schon oft erlebt. An den Triumpf unseres Erlösers Jesus Christus in den kleinen und großen Tiefen unseres Lebens zu glauben, ja selbst im Tod, scheint hingegen für viele unserer Zeitgenossen und manchmal auch glaubensstarke Christen nicht einfach. Diese Gewissheit kann man nicht „machen“. Nur Jesus Christus selbst kann sie uns schenken. Genau das ist sein ausgesprochener Wille! Deshalb ruft er uns Tag für Tag in seine Nähe und Nachfolge. Denn mit dem geistlichen Leben ist es wie mit dem Frühling: Mit jeder Erfahrung der Erlösung wächst die Gewissheit „Mein Erlöser lebt!“

Ihr Pfarrer Philipp-Immanuel Albert